Sonntag, 28. Oktober 2012

Toll war´s!

Einige Wochen sind vergangen seit dem letzen Blogeintrag. Und für alle, die es noch nicht wissen: wir sind wieder zurück in Deutschland! Wir hatten schon seit dem Krankenhausaufenthalt in Monticello geplant, im Herbst zurückzukommen. Leider musste ich nach unseren tollen Wochen in und um Yellowstone direkt eine Woche vor unserem geplanten Flug nach Europa wieder ins Krankenhaus. Dieses Mal wurde ich richtig operiert, und die Lunge sozusagen an Ort und Stelle "angeklebt", so dass das Risiko für einen erneuten Pneumothorax so gut wie ausgeschlossen ist.


Nach 8 Tagen im Krankenhaus in Bozeman, Montana, war nun an Radfahren mit Gepäck nicht mehr zu denken. Der geplante Flug war storniert, und ein neuer - direkt nach Frankfurt - gebucht. Zum Glück konnten wir die 10 Tage bis zum Abflug bei einem ganz netten Paar - Catherine und Doug - in ihrem schönen ruhigen Haus mit Garten und tollen Hühnern verbringen. Hier konnte ich mich von den Strapazen im Krankenhaus gut erholen, was doch wesentlich länger dauerte als erwartet.

Am 7. September schlugen wir dann in Frankfurt auf. Durch meine schwache Lunge konnten wir nun leider nicht wie geplant noch etwas durch Europa fahren. Dabei war es schon so lange eines unserer Ziele, auf jeden Fall mit dem Rad nach Hause zu kommen, und nicht nach Frankfurt zu fliegen. In diesem Fall war es aber wohl besser so, denn selbst jetzt wäre Radfahren mit Gepäck und über lange Distanzen nicht möglich. Eine Auswahl der Fotos unserer letzten, tollen Etappe in den USA findet Ihr ganz unten auf der USA-Seite.

Eine oder einfach mehrere Touren in Europa und Deutschland wollen wir auf jeden Fall noch einmal machen, und hoffen, dass wir im nächsten Frühjahr wieder mit kurzen Etappen starten können.

Im Moment leben wir uns hier wieder ein. Wahnsinnig nett ist, dass wir vorerst bei Matze's Schwester und ihrem Freund im neu gebauten Haus unterkommen, bis wir einen Job und 'ne eigene Wohnung haben. Ein allerherzlichstes Dankeschön dafür!!!
Tine

Und noch ein paar abschließende Worte von mir. An alle, die mit dem Gedanken spielen, eine Langzeitreise zu unternehmen: macht es! Zur Verlängerung des Lebens trägt eine solche Reise vielleicht nicht bei, dafür erheblich zur Verbreiterung. Wie oft haben wir vor, auf und nach der Reise gehört: "Das kann man eben nur machen, wenn man jung ist."; "So etwas würde ich ja auch total gerne mal machen."; "Das muss man sich halt auch leisten können". Dass eine Radreise für Menschen im Alter 60+ möglich ist, haben wir mehrfach gesehen. Dass eine Radreise für eine kleine Familie mit 2 (und sogar 3!) Kindern möglich ist, haben wir auch gesehen. Ich "würde" ja gerne, ich "kann" aber aus den und den Gründen nicht, zeigt meist lediglich, dass diese Personen ihre Prioritäten anders gesetzt haben und nicht wirklich "wollen". Wichtig ist, sich über die eigenen Vorstellungen klar zu werden und diese dann auch umzusetzen. Will ich lange verreisen, macht es Sinn zuhause Geld sinnvoll auszugeben und Geld zurückzulegen -  eine Frage der Prioritäten und Planung. Kurz, entweder Du "willst" nicht wirklich, oder der Rest ist eine Ausrede, und andere Faktoren im Leben werden als Schuldige vorgeschoben.

Und ja, es gibt viiiiiieeeeel zu organisieren vor der Reise, und wenn man wie wir Job und Wohnung aufgibt, auch entsprechend viel bei der Rückkehr. Nur, es lohnt sich! Wir haben so viel erlebt, so viele Menschen kennengelernt, grandiose Landschaften durchfahren, unzählige Tiere beobachtet, unser Zelt an den unterschiedlichsten Plätzen aufgestellt, die kälteste Nacht (-18 °C) und den heißesten Fahrtag (48 °C) überlebt, und sind gemeinsam durch alles, ob gut oder schlecht, gekommen.

Unser Abenteuer geht nun in Deutschland weiter. Wir fangen wieder an zu arbeiten, hoffen bald ein neues Heim zu finden und einzurichten. Wir freuen uns also auf Beständigkeit, obwohl doch das Beständigste am Leben die Unbeständigkeit ist!
Wir sehen unsere Reise als eine Investition in uns, die bleibt. Schön, dass Ihr über diesen Blog an unseren Erlebnissen teilhaben konntet. Danke für Eure Kommentare, Emails, Telefonate und Gedanken.
Matthias


Sonntag, 9. September 2012

Von tollen Landschaften und wilden Tieren

Endlich wieder radeln! Mensch, man kann sich kaum vorstellen, wie "normal" sich das anfühlt mit dem ganzen Gepäck. Schön. Durch unsere ganzen Autofahrten hatten wir nun die richtig trockenen Gebiete hinter uns gelassen, ein Fluss und viel Wald säumten jetzt unseren Weg.
 
Erstes großes Highlight war der Grand Teton National Park. Von dem hatten wir bis vor einer Weile noch nie etwas gehört, was vielleicht daran liegt dass er in direkter Nachbarschaft zum großen und berühmten Yellowstone National Park liegt. Wie auch immer, Grand Teton war grandios. Weite Flächen, Seen, Bisonherden, und alles vor der wunderbaren Kulisse der Teton Range, einer Bergkette mit Spitzen bis 4.200 m hoch.



Ein paar Tage verbrachten wir hier auf unterschiedlichen Zeltplätzen und machten einige Wanderungen. Schon auf dem Weg hierher konnten wir übrigens viele Tiere beobachten: Gänse, einen Weißkopfseeadler, ein paar Rehe, ein Murmeltier.... Auf einer unserer Wanderungen trafen wir auf einen Schwarzbären, der ganz nah am Weg am Beeren essen war. Wir warteten eine Weile und schauten ihm zu, bis er sich langsam in die andere Richtung davonmachte und der Weg wieder frei war. Auf dem Rückweg kamen wir am Moose Pond vorbei, und da stand tatsächlich eine Elchkuh, mit 2 Kälbern! Sehr lustig, wenn die riesige Elchnase bis fast zu den Augen im Teich verschwindet, um dort zu grasen!

Aus dem einen Park ging es direkt in den anderen über - Yellowstone! Vom ältesten Nationalpark der Welt haben wir natürlich schon viel gehört, und uns mächtig darauf gefreut. Erst einmal wurden wir durch wahnsinnige Auto- und Wohnmobilmassen geschockt. Die Strecke vom Süden in den Park ist wohl auch die am stärksten befahrene. Naja. Wir haben es überlebt und konnten trotz allem die Landschaft genießen, die tatsächlich gleich so anders ist als noch im Grand Teton National Park.
Wir hatten uns vorgenommen, uns viel Zeit in dieser Gegend zu lassen. Und so verbrachten wir 2 Wochen in und um den Park. Wir hatten kurze Fahrtage, haben die Landschaft genossen, Wanderungen gemacht, heiße Quellen bestaunt, in warmen Flüssen gebadet und es uns gut gehen lassen.
Einmal fuhren wir im Osten aus dem Park hinaus, nach Cody. Hier schauten wir uns bei einem Gewittersturm ein Rodeo an - zum Glück mit überdachter Tribüne. Nicht so ganz unser Ding, vor allem das Bullenreiten. Zurück in den Park ging es dann in ein paar Tagen über den Beartooth Highway, eine wunderschöne Strecke über den Beartooth Pass. Wir radelten bis auf 11.000 Fuß, also über 3.300 m hoch. Hui, das war anstrengend. Und ordentlich kalt und windig da oben. Die Abfahrt war dafür umso schöner, durch traumhafte Berglandschaft mit kleinen Seen, Felsen, Bäumen, Murmeltieren.... Wunderschön!
Wieder zurück im Park kamen wir durch das Lamar Valley, ein Tal, das bekannt dafür ist, dass man hier viele Tiere beobachten kann. Und so war es auch - Bären, jede Menge Bisons in riesigen Herden, Pronghorn Antilopen, Wolfswelpen.... Toll!

 
Auch außerhalb des Parks, im Westen, fuhren wir noch eine kleine Runde. Hier schauten wir uns eine riesige Quelle an - Big Springs. Hier kommen jeden Tag 450 Millionen Liter Wasser raus! Und die Quelle und die ganze Gegend ist wunderschön. Dann ging es auch noch zu den Mesa Falls, schönen Wasserfällen. Für den Rückweg entschieden wir uns für eine zum Teil unbefestigte Straße, auf der echt nix los war. Eine sehr willkommene Abwechslung nach den Verkehrsmassen in Yellowstone. Und endlich mal wieder eine Rechtfertigung für unsere Reifen, die hier ordentlich Spaß hatten. Hier hatten wir sogar das Glück, einem Elchbullen mit ordentlichem Geweih zu begegnen! 
Wunderschön, die ganze Gegend hier oben in und um diese beiden Nationalparks. Wir sind sehr glücklich, dass wir so viel Zeit hatten, so dass die Parks sich uns von ihrer besten Seite zeigen konnten. Danke!



Dienstag, 28. August 2012

The Mexican und Aufrufe im Radio


Nachdem wir von unserem Autotrip nach Monticello „heimgekehrt“ waren und Tines Lunge in der Nachuntersuchung gut aussah, wollten wir dann doch weiterziehen. Radeln war noch nicht angesagt, denn für die Heilung war noch zu wenig Zeit ins Land gegangen. Also stellten wir uns mit Sack und Rad an die Straße und streckten den Daumen in die Luft. In Europa wäre mit Fahrrädern und diversen Gepäckstücken per Anhalter fahren ein milder Scherz – wer könnte uns dort schon aufgabeln? Hier jedoch fahren genügend Pickups herum. Soweit die Theorie, denn letztendlich standen wir 3 h an der Gasse, bis ein Pickup drehte und uns mitnahm. Nur, dass es nicht einmal ein Amerikaner, sondern ein Mexikaner war; stilsicher mit Cowboyhut (wir hatten bereits in Mexico festgestellt, dass dort mehr Cowboyhüte als in den USA getragen werden). Der gute Mann kam direkt aus Mexiko gefahren, saß bereits 14 h im Auto und war auf dem Weg zu einer Party in Grand Junction… Weshalb auch nicht?! Nach ca. 80 Mi ließen wir uns von ihm vor der Auffahrt zur Interstate quasi mitten in der Wüste absetzen. Soweit, so gut. Fragte dann nicht Tine kurz nachdem er weggefahren war: „Wo ist denn mein Center  (so nennen wir unsere Lenkertaschen)“? Nach kurzem Durchschauen unserer Taschen konnten wir nur das Fehlen eben jener Tasche notieren. Dazu sei erwähnt, dass darin unsere wichtigen, persönlichen Dokumente sowie Kameras transportiert werden. Kurz, die Panik griff um sich, irrationales Verhalten seitens Tine machte sich breit: Beinahe wäre sie vor ein Auto gesprungen, um es anzuhalten, einzusteigen und die Verfolgung des Mexikaners aufzunehmen. Sie beruhigte sich aber wieder, und ich auch. Da wir uns während der Fahrt ausgiebig mit unserem Fahrer unterhalten hatten, wussten wir über seine Pläne genauestens Bescheid: um 16:00 Uhr wurde er zum Essen erwartet, später wird gefeiert. Im Gegensatz zu Parties in Mexiko – so seine Einschätzung – wird in den USA bereits gegen 23:00 Uhr oder a bisserl später die Feier beendet. Er wollte nur kurz schlafen und bereits gegen 5 oder 6:00 Uhr zurück nach Mexiko starten. Also schlug ich vor, einfach an Ort und Stelle zu bleiben und auf ihn zu warten. Glücklicherweise konnten wir uns unter die Autobahnbrücke in den Schatten flüchten, denn die Sonne brannte erbarmungslos auf uns herab. In der nahe gelegenen Tanke versorgten wir uns mit Kaffee und Wasser. Abends dann starteten wir eine lange Reihe von Uno Spielen und hockten wie die Penner unter der Brücke. Mit dem Schlafen wechselten wir uns ab. Und dann, pünktlich um kurz vor acht am nächsten Morgen bog der gute Mexikaner mit seinem Gefährt auf unsere Gasse ein, hält, übergibt die Tasche und macht uns glücklich! Was ne Uffreeschung!

Wir stellten uns wiederum, nun komplett, an die Straße und hielten den Daumen raus. Zwei weitere Mitfahrten brachten uns bis kurz vor Salt Lake City. Dabei machten wir 160 Mi gut. Dann fuhren wir einen Tag lang Rad, um nochmals per Anhalter zu fahren. Schließlich lud uns Greg mit zu sich nach Hause ein, drückte uns direkt eines seiner Autos auf und schickte uns zum Gegend erkunden damit los. Wir blieben dann zwei Nächte bei ihm, am zweiten Tag wurde ich genötigt seinen ´65er Ford Mustang (der erste Mustang) Probe zu fahren. Ich ließ mich sofort, direkt und spontan überzeugen. Tines erster Spruch als ich losfuhr („Aber nicht so schnell, ok?!“ ) provozierte ein lautes Aufheulen des 290 PS-Motors und verängstigte sie vielleicht ein bisschen mehr. Insgesamt kann ich sagen, dass sie angespannt wirkte. Seltsam, ich bin echt brav gefahren, ehrlich.



Greg versuchte dann, einen Transport für uns zu organisieren. Nachdem er bei Bekannten kein Glück hatte, rief er kurzerhand beim lokalen Radiosender an. Dort schilderte er unsere Geschichte und bat um einen Radioaufruf, um einen Transport für uns zu finden. Das war echt witzig, kam aber nichts bei rum. Also wieder an die Straße gestellt und es ging auch schnell weiter. Bis Alpine, zwei sanfte Tagesritte vom Grand Teton National Park entfernt, fuhren wir per Anhalter. Von dort konnte es endlich wieder per Rad weitergehen.